8. September 2026Elektro-Mobilität zum Volkstarif: Wie die Neuauflage des Budget-Stromers den Markt aufmischt
Der Automarkt leidet seit Jahren unter einer hartnäckigen Schieflage. Während immer größere, schwerere und entsprechend kostspielige Elektro-SUV die Verkaufslisten anführen, schrumpft das Angebot an wirklich bezahlbaren Kleinwagen spürbar zusammen. In diese klaffende Lücke stößt nun konsequent die frisch aufgelegte zweite Generation des Budget-Bestsellers aus dem Hause Dacia. Die rumänische Renault-Tochter, die mit dem Ur-Modell des City-Flitzers bereits über 210.000 Kundinnen und Kundinnen überzeugen konnte, wagt den nächsten Entwicklungsschritt. Das erklärte Ziel: Volle Alltagstauglichkeit zu einem Einstiegspreis, der verlässlich unterhalb der Marke von 20.000 Euro bleibt.
Neuer Unterbau, erwachsene Statur
Wer beim Blick auf den Vorgänger noch an filigrane Proportionen und schmale Maße dachte, muss umdenken. Möglich macht das der Wechsel auf eine moderne Architektur, die speziell für batterieelektrische Kleinwagen innerhalb des Konzerns entwickelt wurde. Durch diesen technischen Unterbau gewinnt das Fahrzeug deutlich an Format. In der Gesamtlänge streckt sich der Wagen nun auf 3,85 Meter – ein Plus von 15 Zentimetern. Noch massiver fällt der Zuwachs in der Breite aus, die ohne Außenspiegel um 18 Zentimeter auf 1,74 Meter angewachsen ist.
Äußerlich setzt die Marke auf einen kantigen, klaren Stil, der funktionales Design mit robuster Optik verbindet. Unlackierte, strapazierfähige Kunststoffbeplankungen an den Stoßfängern wehren Parkrempler im dichten Stadtverkehr ab, während eine markante grafische Lichtsignatur die breitere Front betont. Produziert wird der Kleinwagen künftig im slowenischen Werk in Novo Mesto, womit er direkt innerhalb der Europäischen Union vom Band rollt.
Bewusster Verzicht auf Gigantismus
Bei der Antriebstechnik verabschiedet sich der Hersteller von übertriebenen Leistungsdaten und tonnenschweren Akkus. Die Entwickler hatten zuvor das reale Nutzungsverhalten der Kundschaft analysiert und festgestellt, dass im Schnitt tägliche Strecken von lediglich 34 Kilometern bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 km/h zurückgelegt werden. Zudem laden drei Viertel aller Besitzer ihr Gefährt ohnehin im heimischen Umfeld.
Resultat dieser Datenauswertung ist ein auf Effizienz getrimmtes Leichtgewicht, das voll fahrbereit gerade einmal 1.212 Kilogramm auf die Waage bringt.
Antrieb: Ein Elektromotor mit 60 kW (80 PS) und einem maximalen Drehmoment von 175 Newtonmetern beschleunigt das Auto in 12,1 Sekunden auf Landstraßentempo. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 130 km/h abgeregelt.
Batterie & Reichweite: Als Energiespeicher dient ein robuster Akku auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Chemie mit einer nutzbaren Kapazität von 27,5 kWh. Damit errechnet sich nach WLTP-Norm eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 12,7 kWh je 100 Kilometer.
Flexibilität beim Laden und überraschendes Platzangebot
Im Standardmodus fließt Wechselstrom mit 6,6 kW in den Energiespeicher, wodurch an einer normalen Haushaltssteckdose rund neun Stunden vergehen, während eine Wallbox die Prozedur auf knappe drei Stunden verkürzt. Wer das optionale Ladepaket ordert, erhält Unterstützung für 11 kW Wechselstrom sowie eine Gleichstrom-Schnellladeoption mit bis zu 50 kW. Letztere presst den Akkustand innerhalb von nur 28 Minuten wieder von 15 auf 80 Prozent hoch. Zusätzlich beherrscht das Fahrzeug die sogenannte Vehicle-to-Load-Technologie, über die externe Verbrauchegeräte wie E-Bikes oder elektronische Haushaltshelfer mit Strom versorgt werden können.
Innen zeigt sich der Zuwachs vor allem an der verbesserten Raumausnutzung. Das Gepäckabteil im Heck fasst 337 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.283 Liter erweitern. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal in dieser Fahrzeugklasse ist zudem der vordere Stauraum unter der Haube – ein sogenannter Frunk mit 18 Litern Volumen, der exklusiv für das Unterbringen des Ladekabels reserviert ist. Mit einem Wendekreis von knapp viereinhalb Metern entpuppt sich das Modell zudem als äußerst wendig im urbanen Raum.
Marktpositionierung
Angeboten wird die Baureihe in zwei klar voneinander abgegrenzten Ausstattungslinien. Die Basisversion namens Expression bringt serienmäßig unter anderem eine manuelle Klimaanlage, ein digitales Anzeigeinstrument hinter dem Lenkrad sowie eine Schnittstelle zur Einbindung des eigenen Smartphones mit. Wer sich für die gehobene Variante Journey entscheidet, erhält Extras wie 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein schlüsselloses Zugangssystem, eine Rückfahrkamera sowie einen zentralen, deutlich größeren Touchscreen mit kabelloser Geräteeinbindung.
Durch die strikte Preispolitik unterhalb der 20.000-Euro-Grenze und die Fertigung innerhalb der Europäischen Union besetzt der Wagen eine wirtschaftliche Nische, die angesichts steigender regulatorischer Hürden von kaum einem anderen Hersteller im Einstiegssegment bedient wird.
-Problemschlitten
